AI Act scharf, Copilot teurer, neuer China-Riese im Rennen
Diese Woche ist ein Stichtag verstrichen, den viele Geschäftsführer auf dem Zettel hatten, ohne genau zu wissen, was er bedeutet: der 2. August. Dazu kommt Bewegung bei den Preisen der großen KI-Anbieter und ein neues Schwergewicht aus China. Hier die drei Dinge, die diese Woche wirklich zählen.
EU-KI-Verordnung: Ab jetzt wird kontrolliert, nicht nur gefordert
Am 2. August 2026 sind die zentralen Bestimmungen der KI-Verordnung anwendbar geworden. Für Anbieter und Betreiber von Hochrisiko-KI-Systemen sowie für Unternehmen mit Transparenzpflichten beginnt damit die Phase der aktiven Durchsetzung durch die Behörden. In Deutschland übernehmen ab diesem Datum die nationalen Marktüberwachungsbehörden, unter anderem das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, die Kontrolle. Die Pflicht zur KI-Kompetenz der Mitarbeitenden gilt zwar schon seit Februar 2025, wird aber jetzt erstmals tatsächlich geprüft – und fehlende Nachweise werden im Ernstfall zum belastenden Faktor.
Wer KI-Tools einsetzt, sollte jetzt dokumentieren können, wer im Betrieb wie geschult wurde. Das ist keine Bürokratie zum Selbstzweck, sondern der einfachste Schutz gegen Bußgelder und Haftungsfragen.
GitHub Copilot: Microsoft rechnet jetzt nach Verbrauch ab
Microsoft erfasst ab August 2026 systematisch den Token-Verbrauch der Nutzer von GitHub Copilot. Diese Erfassung bildet die technische Grundlage für den Übergang zu einer nutzungsbasierten Abrechnung, die die bisherigen Pauschalmodelle teilweise ablöst. Für Geschäftskunden gelten künftig 19 US-Dollar je Nutzer für Business und 39 US-Dollar für Enterprise, dazu kommen separat abgerechnete Zusatzkosten bei höherem Verbrauch. Als Übergang gibt es von Juni bis August Aktionsguthaben von 30 beziehungsweise 70 US-Dollar.
Wenn dein Entwicklerteam oder dein IT-Dienstleister Copilot nutzt, werden die Kosten ab jetzt schwerer vorhersehbar. Ein Blick in die aktuelle Abrechnung lohnt sich, bevor die Übergangsguthaben aufgebraucht sind.
Alibaba bringt Qwen3.8-Max: mehr Auswahl, mehr Preisdruck
Alibaba hat mit Qwen3.8-Max sein bislang größtes und leistungsfähigstes KI-Modell veröffentlicht. Nach Angaben des Unternehmens spielt es mit den Spitzenmodellen von OpenAI und Anthropic in einer Liga. Es soll besonders gut programmieren, umfangreiche Recherchen erledigen und komplexe Aufgaben weitgehend selbstständig bearbeiten können. Das Modell verfügt über 2,4 Billionen Parameter.
Jeder neue ernsthafte Konkurrent zu den US-Anbietern erhöht den Preisdruck im gesamten Markt. Für Unternehmen, die KI-gestützte Automatisierung planen, wird die Auswahl an leistungsfähigen und oft günstigeren Modellen größer.
Ollama: KI lokal statt in der Cloud
Ollama ist ein kostenloses Open-Source-Programm, mit dem ein Sprachmodell komplett auf dem eigenen Rechner läuft, ohne dass Daten an einen Cloud-Anbieter gehen. Installation und erstes Modell sind in unter 30 Minuten erledigt, auch ohne Programmierkenntnisse. Für Büroaufgaben wie Textzusammenfassungen, E-Mail-Entwürfe oder das Durchsehen interner Dokumente reichen kleinere Modelle wie Llama oder Qwen völlig aus. Der Vorteil: keine laufenden API-Kosten, keine Internetverbindung nötig, volle Kontrolle über sensible Kunden- oder Vertragsdaten. Wer testen will, ob lokale KI für den eigenen Betrieb taugt, kann das eine Woche lang parallel zur bisherigen Cloud-Lösung ausprobieren, bevor eine Entscheidung ansteht.
Nächste Woche schauen wir, wie erste Betriebe die neue Meldepflicht in der Praxis umsetzen. Bis dahin: einen ruhigen Start in die Woche.
Quellen
Dieser Beitrag erschien zuerst im Plantrixx-Briefing. Eine Woche früher lesen.